Internationale Tagung für Geistiges Heilen
vom 27. - 29. September 2002 in Berlin

Auf der 2. Internationalen Tagung für Geistiges Heilen trafen sich vom 27. bis 29. September 2002 in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Dom Ärzte, Heilpraktiker und Heilerinnen, um neben Praxis-Seminaren darüber zu sprechen:

Was ist Geistiges Heilen? - Hokuspokus oder wiederentdeckter Schatz?

Betrachtung über die 2. Internationalen Tagung für Geistiges Heilen in Berlin

Erstaunlich zunächst, daß sich hier Vertreter derjenigen trafen, die sich ansonsten zu bekämpfen scheinen: Ärzte. Heilpraktiker und Heilerinnen. Sie kamen aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Großbritanien, den USA und gaben allen Interessierten über ihre Heilmethoden in Vorträgen und Seminaren Auskunft sowie die Möglichkeit des Miterlebens.

Und auch das ist bemerkenswert, sie verständigten sich in Podiumsdiskussionen über ein in der Öffentlichkeit kaum bekanntes und eher verunsicherndes Thema. Denn schließlich, wenn auch nicht das Wort "Heilung" irritiert, das Wort "Geist" in dem Zusammenhang, scheint es allemal, denn es könnten neben den Bedeutungen von Bewußtsein, Verstand, Sinn und Heiliger Geist auch die unkörperlichen Wesen des Aberglaubens - die Gespenster- gemeint sein und schließlich nicht zu vergessen - die Essenz im allgemeinen. Es scheint verwirrend. Was ist gemeint?

Zunächst: Geistiges Heilen gibt es. Von überallher werden darin Heilerfolge - oft Phänomene genannt - vermeldet. Zugestandener Maßen, das Thema ist unbekanntes, unerforschtes Land für viele von uns. Es gibt keine verbindlichen Landkarten, keine geprüften Standardwerke wie über Anatomie, Phvsiologie, Chemie oder Bauwesen. Alle Therapeuten auf der Tagung sind auf unterschiedlichen Wegen zu geistigen Heilern geworden, haben ihre Erfahrungen und deshalb ihre individuellen Methoden entwickelt. Jeder einzelne ist ein Forscher auf seinem Gebiet, Erfinder oder Weiterentwickler. In unserer westlichen Kultur sind sie heute Pioniere auf einem Terrain, das es jedoch auf allen Erdteilen zu allen Zeiten gab und gibt, wie die Schamanen und Medizinmänner aus Afrika, Asien und Amerika zeigen. Es ist für uns, durch unser vor allem naturwissenschaftliches Denken, zu einer fast vergessenen Angelegenheit geworden.

Verständniswandel

Die Ärzte, Heilpraktiker, Heilerinnen auf der Tagung verdeutlichten, daß sie allesamt von einem gewandelten Verständnis von Krankheit und Heilung ausgehen. Krankheit ist eine Botschaft der Seele an den Körper, die den Betreffenden veranlassen möchte, über den eigenen Lebenswandel nachzusinnen, um bessernde, harmonisierende Veränderungen herbeizuführen. die dann die Symptome überflüssig machen. Dazu gehört auch ein verändertes Arzt/Heiler - Patienten Verhältnis, keine Trennung mehr in ein aktives, verantwortendes Heiler- Subjekt und ein passives, seine Eigenverantwortung abgegebenes Patienten- Objekt. Heilung, braucht Menschen, die immer mehr wahrnehmen, daß die Motivation sowie alle Möglichkeiten, um wieder heil zu werden, in ihnen selbst liegen. Und daß ein Arzt oder Heiler ihnen dabei einen geeigneten Weg aufzeigen, ihn dabei unterstützend begleiten kann, nicht weniger aber auch nicht mehr. Den Weg gehen - muß jeder selbst. Wege zum Ziel der Heilung gibt es vielfältige, wahrscheinlich so vielfältige wie es Menschen gibt.

Dr. Jakob Bösch, Psychiater und Psychotherapeut aus Basel, versteht Geistiges Heilen als ein heilsames Ein- Wirken in dem Sinne, daß wir alle immer und überall, in jedem Augenblick durch unser Denken und Fühlen - mehr oder weniger bewußt - aufeinander einwirken, auch auf unser Wasser, auf Tiere, Blumen, auf unsere Nahrung. Er erinnerte an die Traditionen des Segnens von Wasser, des Essens durch ein Tischgebet, das gerade wieder "modern" wird.

Wir wirken immer aufeinander ein: heilend, ordnend, nicht ordnend usw. und das auch unabhängig von Entfernungen. Ein ganz wichtiger Bereich dabei sind nach Dr. Bösch Vergebung und Versöhnung. Auch die schulmedizinische Forschung wies nach, daß die dahinter befindliche geistig, seelische Haltung ein außerordentlich starker Schutzfaktor vor allen Krankheiten ist.

Doch solche inneren Haltungen kommen nicht von allein. Wir müssen trainieren wie ein Sportler z.B., der an der Olympiade teilnehmen will. "Wir müssen üben, üben, üben bis zur finalen Austragung", sagte er, "denn jeder Mensch ist ein Heiler von seiner Anlage her. Es gibt ein unglaubliches Spektrum von Begabungen und somit Heilmöglichkeiten."

Gedanken, Worte und alle sinnlichen Fähigkeiten

Wir wirken aufeinander ein im Positiven wie im Negativen, und das hat reale Auswirkungen. Wir wirken ein durch unser Denken, unser Bewußtsein, die wir zum Geist, dem Geistigen zuordnen können. Hierzu gehört z.B. die therapeutische Arbeit mit Gedanken, Affirmationen und Gesprächen, wie sie Edmund Hoffmann in seinem Heiler - Anfängerkurs "Die Kraft der Gedanken und die Macht des Wortes" schult.

Aber die Bedeutungen, die Potentiale von Geist sind vielfältiger. Da ist noch der Sinn. Und wenn wir uns erlauben, ihn auch als die, unsere Sinne zu betrachten, kommen wir zu all dem, was wir durch Tasten, Riechen, Schmecken, Hören, Sehen, aber auch durch inneres Hören, Sehen, Fühlen wahrnehmen können. Vieles davon können wir nicht mit unseren äußeren Augen sehen. Trotzdem ist es da, ist real und wahr. Wir nehmen es wahr. Das Trainieren, Schulen aller unserer sinnlichen Anlagen und Fähigkeiten kann uns zu einem Vertrauen in uns selbst führen, ein Vertrauen auf alle unsere äußeren und inneren Wahrnehmungen - in der Summe auch als Intuition oder innere Stimme zu verstehen, der wir in allen Situationen vertrauensvoll folgen können - als ein weiterer Weg zu heilsamer Harmonie.

Ärzte und Heilerinnen entdeckten unter Zuhilfenahme des gesamten Potentials unserer Sinne Behandlungsmethoden wie das Visualisieren und Transformieren von Konfliktsituationen, negativen Gefühlszuständen, alten Verletzungen, Schmerzen und anderen körperlichen Symptomen. Dr. med. Dorothea von Stumpfeldt und Dipl. Psychologin Christine Schulze entwickelten daraus die "Emotionale Prozess Arbeit" sowie ihre Krankheitsaufstellungen.

Die Berliner Dipl. Grafikerin und Heilpraktikerin Annette Hönl-Fliedner arbeitet mit den von ihr über das innere Sehen empfangenen Mandaias für individuelle Heilung, aber auch für die Heilung von geografischen Orten und gesellschaftlichen Krisenherden in der Welt.

Heilende Energie - liebende Kraft

Eine weitere - im Wort Geist - implizierte Bedeutung ist die von Heiliger Geist, Göttliche Kraft oder das uns alle verbindende Energiefeld. Welchen Namen wir auch immer gebrauchen, das ist ganz gleich. Heilerinnen wie Graziella Schmidt und Beatrice Anderegg aus Basel oder der Arzt und Heller Ronen Basu aus England konzentrieren sich vor allem darauf. Er sagte: "Ich bin mir sehr bewußt, daß nicht ich heile. Es ist die Heilenergie, die kommt und durch mich hindurchgeht." Andere Kulturen bezeichnen diese Heilenergie z.B. als die große Kraft, als Chi oder Reiki. Beatrice Anderegg, die in der Baseler Elisabethenkirche mit anderen Frauen durch Handauflegen Heilung unterstützt, sagte: "Ich arbeite nur mit Gott, ein Patient braucht die Rückverbindung zu Gott, der Liebe und somit Heilung ist."

Wenn wir uns "Geist" in diesen verschiedenen Bedeutungen und Wirkmöglichkeiten im Zusammenhang zum "Heilen" wieder bewußtmachen, wird klar, daß wir in unserer Zeit überaus wichtige Elemente ganz oder teilweise ausgeschlossen oder ignoriert haben, die jedoch unabdingbar dazu- und zusammengehören, wenn wir tatsächlich heilen und nicht nur Symptome verdrängen oder verschieben wollen.

Daß es zur Zeit wichtig ist, das Wort "Geistiges" vor das Wort "Heilen" zu setzen, uns damit zu konfrontieren, liegt daran, daß wir uns erst wieder an alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten - an das Normale also - erinnern müssen, um tatsächlich zu heilen.

Daß wesentliche Bereiche des Heilens in der Schulmedizin vernachlässigt werden, verdeutlichen nicht nur die durch die Krankenkassen nicht finanzierten Behandlungsmöglichkeiten, sondern v.a. auch mangelnde Heilerfolge. Diese Situation macht nicht nur die Patienten unzufrieden, sondern auch die Ärzte oft hilflos und suchend nach Neuem. Der Berliner Psvchotherapeut Kurt Gemsemer wies darauf hin, daß es bei seiner Arbeit immer um kognitive und intuitive Arbeit gehe. Aber viele Ärzte hätten z.B. auf ihre Intuition keinen Zugriff mehr. Allein dadurch bleibt ihnen der Zugang zum gesamten Potential der Heilmöglichkeiten verschlossen. Deshalb sucht er u.a. danach, in welchen methodischen Schritten man z.B. Intuition lehren und erlernen kann. Um diese Brücke von der Schulmedizin und Psychotherapie zum Geistigen Heilen zu finden kam er u.a. auf diese Tagung. Ging es in der Psychotherapieentwicklung immer auch darum, die spirituellen Bereiche anzuerkennen und zu kontaktieren - weil sie in uns allen vorhanden sind, geht es heute in Psychotherapie und Schulmedizin darum, wieder an das Gesamtpotential der Heilungsmöglichkeiten anzukoppeln - mit unserem Bewußtsein und praktisch in den Methoden.

Heilen kann man nicht allein durch das Verabreichen von Medikamenten an den Körper. Jeder Mensch ist ein Wesen aus Körper, Seele und Geist. Das ist uraltes Allgemeinwissen.

Keine Heilung Ohne Geist

Es ist nicht verwunderlich, wenn Ärzte, Heilpraktiker, Heilerinnen in den Diskussionen immer wieder anmerkten: Ja, gibt es denn überhaupt ein "Nicht-Geistiges-Heilen"?

Daß die Worte "Geistiges Heilen" heute oft Irritationen, Unverständnis oder Ängste auslösen, zeigt auf welchen gedanklichen Abwegen bezüglich des Verständnisses von Kranksein und Heilen wir noch wandeln.

Graziella Schmidt sagte: "Ich tue meins und Er tut seins. Darauf vertraue ich in meinen Herzen. ich trage die Verantwortung, die ich als Mensch tragen kann - nicht weniger, aber auch nicht mehr." Ist dies nicht eine unendliche Bereicherung und Entlastung gleichzeitig, wenn wir wieder mit dem Geist in allen seinen Facetten verbunden sind - ob als Heilerin oder Gärtnerin - das ist ganz gleich. Wir müssen uns nur an diese Allgemeingültigkeiten - die Sicht des Gesamten - erinnern.

Das Alles-Umfassende des Geistes drückt sich in seiner Bedeutung von "Essenz" aus. Er durchdringt in allen seinen vielfältigen Bedeutungen uns und all unser Tun.

Eine wahre heilsame Begegnung zwischen zwei Menschen - wie einem Therapeuten und einem kranken Menschen - entsteht durch gegenseitiges Aufeinandereinstimmen, durch liebevolles Zuwenden, durch Offenheit und Vertrauen in die eigenen geschulten Fähigkeiten und auf die große uns alle innewohnende. liebende und verbindende Kraft.

Und, um auch auf die Gespenster zurückzukommen:
Jedwede an Heilung beteiligten "Geister" können nur hilfreich und liebevoll sein.

Den Organisatorinnen der Tagung vom "Lebensbaum e. V." -
Dr. med. Dorothea von Stumpfeldt und Anne Söller - Danke dafür, dieses Thema zum zweiten Mal prägnant in die Öffentlichkeit gerückt und sowohl Wissen als auch Erfahrungen darüber verbreitet zu haben.

Silke Irrgang

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Letztes Update: 05.04.04
www.heilertagung.de